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Kann man die Hautalterung stoppen? Ärztin Dr. Luise Berger über Wirkstoffe und die Grenzen der Hautpflege

Die Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie Dr. Luise Berger verrät, was es mit Biobotox auf sich hat und wie effektive Hautpflege ästhetische Eingriffe hinauszögern kann.

03. Juli 2024

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Dr. Luise Berger im VOGUE-Interview: "Ich war früher selbst eine Kritikerin! Erst als ich mich intensiv mit der Wirkstoffkosmetik auseinandergesetzt habe, wurde mir klar, dass ich unrecht hatte."

Dr. Luise Berger gilt als Koryphäe im Bereich der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie. In Ihrer Praxis in München führt sie unter anderem minimalinvasive Verfahren mit Botox, Fillern und Laser durch, aber auch operative Eingriffe wie Lidstraffungen und Facelifts. Sie sagt: "Was mir jedoch für ein ganzheitliches Anti-Aging-Konzept völlig gefehlt hat, war eine Therapie, die die Hautstruktur und -qualität an sich verbessert. Aus diesem Grund musste ich einfach meine eigene Hautpflege entwickeln, die die Haut wieder aufbaut".

Die Ärztin fährt fort: "Ab dem 25. Lebensjahr nimmt die Kollagenproduktion jährlich um 1-2 Prozent ab, was zu weniger praller und zunehmend schlaffer Haut führt. Daher ist es wichtig, die Haut kontinuierlich zur Produktion von Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure anzuregen. Dies wirkt effektiv der Hautalterung entgegen, verfeinert die Poren, glättet Fältchen und fördert einen gesunden Teint". Weder Botox, Filler noch Facelifts könnten laut Dr. Luise Berger diesen Hautaufbau bewirken. "Daher erzielen wir die besten Ergebnisse immer durch die Kombination verschiedener Ansätze."

Ein spannender Ansatz – dem VOGUE im Gespräch mit der Ärztin tiefer auf den Grund geht. Lesen Sie im Folgenden, was es mit Biobotox auf sich hat, welche Behandlungen die renommierte Ärztin an sich selbst regelmäßig durchführt und welchen Inhaltsstoff sie für effektive Hautpflege unabdingbar hält.

Dr. Luise Berger im Interview über Biobotox, die effektivsten Skincare-Wirkstoffe und Behandlungen, auf die sie auch bei sich selbst setzt.

VOGUE: Frau Dr. Berger, als Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie decken Sie die Bereiche Chirurgie, minimalinvasive Behandlungen – also Botox und Filler – und jetzt, mit Ihrer eigenen Skincare-Linie, auch Hautpflege ab. Wo liegen die Grenzen dieser Bereiche, und warum erachten Sie alle drei Ansätze als sinnvoll und ergänzend?

Dr. Luise Berger: Jeder dieser Ansätze hat seine Berechtigung und deckt ein breites Spektrum ab, mit leichten Überschneidungen. Botox ist ideal, um mimische Fältchen zu reduzieren und dient als Basistherapie zur Vorbeugung und Therapie von Faltenbildung, empfehlenswert ab einem Alter von 30, spätestens 35 Jahren. Filler, wie Hyaluronsäure, geben verlorenes Volumen zurück, was großartig ist. Was mir jedoch für ein ganzheitliches Anti-Aging-Konzept völlig gefehlt hat, war eine Therapie, die die Hautstruktur und -qualität an sich verbessert. Aus diesem Grund musste ich einfach meine eigene Hautpflege entwickeln, die die Haut wieder aufbaut.

Durch effektive Hautpflege und minimalinvasive Verfahren werden immer weniger Facelifts notwendig und erst im höheren Alter in Betracht gezogen. Auch operative Unterlidstraffungen sind seltener geworden, da leistungsstarke CO2-Laser die Haut der Unterlider effektiv straffen können, ohne die Risiken einer Operation in Kauf nehmen zu müssen. Unterlidstraffungen haben nämlich eine relativ hohe Komplikationsrate. Die Ergebnisse der Laserbehandlung können zu etwa 70 Prozent mithalten. Die Unterlider sind eine schwierige Region, daher empfehle ich, frühzeitig mit effektiven Wirkstoffen zu pflegen, gegebenenfalls Eigenblutbehandlungen durchzuführen und bei fortschreitender Hauterschlaffung den CO2-Laser zu verwenden.

Das ist ja interessant. Kann der Laser auch eine Oberlidstraffung bei Schlupflidern ersetzen?

Eher nicht. Am Oberlid ist der Hautüberschuss in der Regel einfach deutlich zu groß. Das liegt daran, dass die Augenlider ständig in Bewegung sind und somit einer hohen mechanischen Belastung unterliegen. Die Haut wird dadurch immer dünner und verliert an Elastizität. Zusätzlich sinken die Brauen im natürlichen Alterungsprozess ab, da das subkutane Fettgewebe und der Knochen mit zunehmendem Alter schwinden. Man kann sich die Haut wie eine Hülle vorstellen, die mit der Zeit zu groß wird, weil der „Inhalt“ kleiner wird. Und wenn die Hülle zu groß wird, sinkt alles ein bisschen nach unten, einschließlich der Brauen. Dies verstärkt das Schlupflid. Fast jede Person wird irgendwann davon betroffen sein. In diesem Fall ist eine Operation das effektivste Mittel. Die Erholungszeit beträgt etwa zehn Tage, ähnlich wie beim Laser. Ein weiterer Vorteil der Operation gegenüber dem Laser ist, dass es bei der OP nicht zu Pigmentverschiebungen kommen kann. Für meinen Hauttyp wäre ein CO2-Laser beispielsweise nicht geeignet. Das ist übrigens auch ein wichtiger Punkt: Nicht jedes Verfahren ist für jeden Menschen geeignet!

Spannend. Was würden Sie mir denn in meinem individuellen Fall empfehlen?

Sie haben Botox in der Stirn, nicht wahr? Ich würde bei Ihnen die Injektionen auch auf die Krähenfüße ausweiten. Bei jedem Lächeln, ziehen Sie Ihre Augenbrauen an den Seiten leicht nach unten. Dadurch entstehen zum einen die Fältchen neben dem Auge, und zum anderen beschleunigen Sie den Prozess des Absackens der Augenbrauen, den ich gerade angesprochen habe. Die Botox-Injektion in diesem Bereich führt also zu einem Lifting-Effekt der seitlichen Augenbrauen und reduziert die feinen Krähenfüße.

Ich habe mal gehört, dadurch könnte sich Lymphflüssigkeit anstauen und man könnte geschwollene Augen bekommen…

Das ist theoretisch möglich, vor allem bei deutlich erschlaffter Haut. Neigen Sie zu geschwollenen Augen? Momentan sehe ich bei Ihnen keine Tendenz dazu. Wenn das bei Ihnen nicht der Fall ist, können Sie den Bereich problemlos mitbehandeln lassen. Ich würde Ihnen dazu raten. Zu Ihrer Beruhigung kann ich Ihnen sagen, dass so eine Nebenwirkung nur vorübergehend ist, wenngleich sie in dieser Zeit lästig sein kann.

Und dazu würden Sie im Schnitt ab den Dreißigern raten?

Das hängt ein wenig von der Genetik ab. Es gibt Menschen, die schon mit Anfang 20 starke Mimikfalten haben. Im Allgemeinen ist die Behandlung ab 30 jedoch wirklich sinnvoll.

Welche Behandlungen lassen Sie selbst durchführen?

Seit ich 33 bin setze ich auf Botox – zunächst nur in der Zornesfalte, später auch an den Krähenfüßen. Zudem finde ich Eigenblut-Behandlungen großartig, da sie die Kollagensynthese anregen, was besonders gegen die Unterlider und Lippenfältchen effektiv ist. Da ich von Natur aus ein recht volles Gesicht habe, ist Hyaluron für mich eher ungeeignet, obwohl ich ein großer Fan davon bin. Auch vom CO2-Laser halte ich viel, aber wie erwähnt, ist dieser bei meinem Hautton nicht geeignet.

 

Sie haben mit Doc.Berger Effect eine eigene Hautpflegemarke und auch ein sogenanntes Bio-Botox im Portfolio. Was ist das genau?

Das Vit C + Biobotox Serum enthält den großartigen Wirkstoff Spilanthol, der aus den Blütenköpfen der Parakresse gewonnen wird. Spilanthol hemmt – ähnlich wie das echte Botox – die Signalübertragung von der Nervenzelle zum Muskel. Allerdings ganz ohne Piks Das ist besonders bei mimischen Fältchen rund um die Augen und den Mund sehr effektiv – der Effekt hält allerdings nur ein paar Stunden an.

Zum Vit C + Biobotox Serum

Kann das Serum Botulinum-Injektionen ersetzen?

Es ist eher als Ergänzung gedacht und eignet sich insbesondere für kleine Knitterfältchen. Tiefe Falten beispielsweise der Zornesfalte, die durch starke Muskelkontraktionen verursacht werden, bleiben vom Biobotox unbeeinflusst, da es ja nicht nicht direkt in den Muskel gespritzt wird. Aber beides ergänzt sich perfekt und sorgt für Synergie-Effekte. Faltenbehandlungen mit Botox und Fillern sind gut, aber alleine reichen sie nicht aus. Die tägliche Hautpflege ist entscheidend, um die Effekte dieser Behandlungen zu intensivieren und länger anhalten zu lassen.

Was entgegnen Sie Kritiker:innen, die sagen, Skincare hätte keinen Effekt?

Ich war früher selbst eine Kritikerin! Erst als ich mich intensiv mit der Wirkstoffkosmetik auseinandergesetzt habe, wurde mir klar, dass ich unrecht hatte. Natürlich hat Skincare ihre Grenzen, genauso wie Botox-Behandlungen oder sogar ein Facelift. Die Hautalterung kann man nie ganz stoppen, aber mit den richtigen Wirkstoffen kann man sie verlangsamen. Zudem lassen sich bestimmte Schäden, die durch den Alterungsprozess entstanden sind, wieder beheben.

Auch gegen Hautunreinheiten kann man mit den richtigen Produkten viel erreichen, ebenso gegen Rötungen, die beispielsweise durch Rosacea und Couperose verursacht werden. Pigmentflecken und vergrößerte Poren, die ich ebenfalls zu den Alterserscheinungen zähle, lassen sich effektiv behandeln. Skincare spielt eine wesentliche Rolle bei der Unterstützung und Verlängerung der Ergebnisse von ästhetischen Behandlungen.

Was sind die häufigsten Hautprobleme, mit denen Patient:innen zu Ihnen kommen?

Wir wollen alle gesund und frisch aussehen – und so lange wie möglich vital bleiben. Die meisten meiner Patient:innen klagen über Fältchen, vor allem im Unterlid-Bereich, um die Lippen herum, sowie im Bereich der Wangen. Natürlich kann man nicht unbegrenzt viel Filler injizieren, da die Gesichter sonst irgendwann unnatürlich aussehen würden. Mir ist sehr wichtig, eine ausgewogene Behandlung zu finden, die natürliche Ergebnisse liefert.

 

Gibt es einen Hautpflege-Fehler, den Sie bei Ihren Patient:innen häufig beobachten?

Ja, ein häufiger Fehler ist es, die Hautpflege nicht typgerecht zu betreiben. Es ist essenziell, darauf zu achten, welchen Hauttyp und welche spezifischen Hautprobleme man hat. Einfach drauflos zu cremen, führt selten zu guten Ergebnissen und kann Pickel, periorale Dermatitis (eine entzündliche Hautkrankheit durch Überpflegung; Anm. der Redaktion), Schuppungen, Rötungen und Brennen verursachen. Außerdem wird Sonnenschutz leider viel zu oft unterschätzt, obwohl er die wichtigste Maßnahme für gesunde Haut ist.

Selbst die besten Wirkstoffe sind nutzlos, wenn sie nicht dorthin gelangen, wo sie benötigt werden: In den Hautzellen. Wie kommen die bei Ihnen dorthin?

Unsere spezielle Cremebasis besteht aus hautidentischen Lipiden, die als Penetrationsverstärker wirken. Diese Lipide optimieren die Bioverfügbarkeit und die Wirkstoff-Aufnahme in der Haut. Hautidentische Lipide werden vom Körper als körpereigen erkannt, da sie Teil der Doppellipidmembran sind, die jede unserer Körperzellen umgibt – einschließlich der Hautzellen. Dadurch kann der Körper sie besonders gut aufnehmen, einschließlich der Wirkstoffe, die wir darin integrieren.

Viele haben anfangs das Gefühl, dass die Pflege von Doc Berger nicht reichhaltig genug ist. Tatsächlich zieht sie einfach nur sehr schnell und gut ein und wirkt genau dort, wo sie soll. Es bleibt kein Film auf der Haut, wie es bei Cremes mit Silikonen oft der Fall ist. Die Umstellung dauert meist zwei bis drei Monate, wenn man herkömmliche Cremes gewohnt ist.

Warum ist das so?

Das passiert, wenn die Hautbarriere nicht intakt ist. In diesem Zustand kann die Haut kein Wasser mehr halten, was als erhöhter transepidermaler Wasserverlust bezeichnet wird. Es dauert eine ganze Weile, bis die Barriere wiederhergestellt ist – selbst mit konsequenter Pflege bis zu drei Monate. Viele konventionelle Produkte enthalten Silikonöl, das sich wie ein Film auf die Haut legt, ähnlich einer Folie, und trügerischerweise für ein glattes und geschmeidiges Gefühl sorgt. Das ist jedoch schädlich, weil die Haut nicht mehr atmen kann und die Hautbarriere geschwächt wird. Wir verzichten bewusst auf Silikonöl, lassen die Haut atmen und unterstützen die natürliche Barrierefunktion, was langfristig zu einer gesünderen und widerstandsfähigeren Haut führt.

 

Heißt das, die Pflege zieht besser ein und wirkt in der Tiefe?

Genau – und genau dort wollen wir ja auch die Wirkung haben. Ein gutes Beispiel dafür sind Retinoide, wie Retinol oder Retinal. Viele Menschen erleben bei der Verwendung anderer Retinol-haltiger Produkte Nebenwirkungen wie Rötungen, Brennen, Schuppungen und trockene Haut, weil das Retinol eher oberflächlich bleibt. Um solche Irritationen zu vermeiden, bietet DOC.BERGER | EFFECT Retinol immer in Kombination mit hochkonzentriertem Phosphatidylcholin an. Da Retinoide starke Wirkstoffe sind, braucht die Haut Zeit, um sich an sie zu gewöhnen. Wir bieten Retinol in drei verschiedenen Konzentrationen an, sodass wir sowohl für Retinol-Anfänger als auch für Profis passende Optionen haben. Retinol und Retinal sind die Anti-Aging-Wirkstoffe schlechthin und aus der Anti-Aging-Routine nicht mehr wegzudenken!

Also, wenn man eine Sache macht, dann sollte es Retinol sein?

Ja, für effektives Anti-Aging sind Retinoide, wie Retinol oder Retinal, essenziell. Menschen mit sehr empfindlicher Haut müssen Retinol sehr langsam einschleichen, und einige wenige können es gar nicht verwenden. Aber für die meisten ist Retinol ein grundlegender Bestandteil der Anti-Aging-Routine.

Wie startet man am besten mit Retinol in der Routine?

Anfänger:innen sollten auf jeden Fall mit einer niedrigen Konzentration, wie 0,3 % Retinol, starten. In den ersten zwei bis drei Wochen sollte man Retinol nur jeden zweiten Abend verwenden. Wenn die Haut reagiert, zum Beispiel mit Brennen, würde ich die Häufigkeit sogar noch weiter reduzieren, etwa auf jeden dritten Tag. Steigern sollte man sich dann wirklich langsam, sowohl in der Häufigkeit als auch in der Konzentration. Wenn das Retinol Serum 0.3 aufgebraucht ist und die Haut es gut toleriert, kann man auf das nächststärkere Retinol-Produkt umsteigen.

Und wenn ich beim Steigern merke, dass ich das nicht vertrage?

Dann sollte man die Häufigkeit oder Konzentration erstmal wieder reduzieren. Im Winter, wenn meine Haut eher trocken ist, verträgt sie die stärkste Konzentration auch nicht immer. Ich höre auf meine Haut und reduziere entsprechend die Stärke des Retinols; sobald sich meine Haut wieder stabilisiert hat, steigere ich wieder auf Retinol 1.0. DOC.BERGER | EFFECT ist wie ein Baukasten der Hautpflege. Man hat die Möglichkeit, seine Pflege an die tagesindividuellen Bedürfnisse seiner Haut anzupassen. Dafür benötigt man natürlich ein gutes Gespür für seinen Körper bzw. für seine Haut.

Wichtig: Wirkstoffe darf man spüren. Eine leichte Rötung oder ein Brennen bedeuten nicht, dass man sie nicht verträgt. Das ist ein totaler Trugschluss. Es ist ähnlich wie beim Fitness-Training: Auch beim Muskelaufbau spürt man zwischendurch immer wieder einen Muskelkater, als Zeichen dafür, dass es etwas bringt. Ich will ja mit der Haut arbeiten und mit DOC.BERGER | EFFECT wirklich Effekte erzielen.

Wie merke ich denn dann, dass es wirklich zu viel war?

Wenn die Haut dauerhaft oder stark brennt, dann ist es wirklich zu viel und man sollte die Häufigkeit und/oder Konzentration herunterfahren. Eine initiale Schuppung tritt in der Gewöhnungsphase des Retinols gelegentlich auf, denn Retinol steigert den Zellumsatz und alte Hautschüppchen werden abgestoßen. Wenn die Haut sich also anfangs etwas schält, ist das ein gewollter Effekt.

Zum Retinol Serum

Die Wirkstoff-Konzentrationen in Ihren Produkten sind hoch. Ihr Retinol-Serum gibt es mit einer Konzentration von 1,0 Prozent. Das müssen Sie bald aus dem Sortiment nehmen, oder?

Ja, es gibt eine Gesetzesänderung, die 2025 in Kraft tritt und Retinol-Konzentrationen über 0,3 Prozent nicht mehr freiverkäuflich gestattet. Um weiterhin die gleiche Wirksamkeit bieten zu können, haben wir bereits eine optimale Lösung gefunden: Wir haben neue Formulierungen entwickelt, die eine Kombination aus Retinol und Retinal enthalten. Da die Wirkung von Retinal deutlich stärker ist als die von Retinol, können wir auf diese Weise mindestens so tolle Resultate erzielen wie bisher.

An welchen Körperstellen wird Retinol verwendet? Wo ist es sinnvoll?

Retinol ist nicht nur fürs Gesicht sinnvoll. Ich nutze es auch für den Hals und das Dekolleté, da diese oft sichtbaren Bereiche mehr Sonne abbekommen und deshalb schneller altern. Auch auf den Händen kann es nützlich sein, um Pigmentflecken und Fältchen zu behandeln. Grundsätzlich kann Retinol überall dort angewendet werden, wo die Haut von Sonnenschäden und Alterungserscheinungen betroffen ist.

Retinol macht ja auch sonnenempfindlich…

Ja, Wirkstoffe, die einen Effekt erzielen, machen die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlen, weil sich alte Zellen schneller abstoßen und die natürliche Lichtschwiele herabgesetzt wird. Man muss sich deshalb wirklich gut schützen. Solange man Retinol als Pflege verwendet, sollte man tagsüber immer einen Lichtschutzfaktor (LSF) von mindestens 30 verwenden! Unsere Anti-Pollution Day Cream, unsere Tagescreme, hat sowohl einen LSF von 30, eine Blaulicht- sowie Infrarotfilter.

Zur Anti-Pollution Day Cream

Kann man Retinol denn dann auch im und vor dem Sommerurlaub nutzen?

Ich persönlich verwende Retinol das ganze Jahr über, aber ich mache auch keine Strandurlaube und schütze mich grundsätzlich sehr gut vor der Sonne. Bei einem reinen Strandurlaub, bei dem man mehrfach am Tag schwimmen geht und viel schwitzt, wodurch der UV-Schutz nicht immer konsequent auf der Haut bleibt, würde ich das Retinol eine Weile aussetzen.

Sie sagen, die spezielle Cremebasis schleust alles tief in die Haut ein. Theoretisch auch Dinge, die man dort nicht haben möchte?

Genau. Das ist der Grund, warum wir auf Parfum, Parabene, PEGs und andere kritisch diskutierte Zusatzstoffe verzichten. Denn die hautidentischen Lipide unterscheiden nicht zwischen "gut" und "böse". Wenn Silikonöle, Alkohol und andere potentiell reizende Stoffe mit einschleust werden, kann das zu starken unerwünschten Reaktionen führen. Deshalb empfehlen wir die Pflege nicht mit anderen Produkten oder Pröbchen zu mischen – vor allem, wenn man sich nicht ganz sicher ist, dass nichts enthalten ist, das in der Tiefe Probleme auslösen könnte.

"Clean Beauty" ist kein geschützter Begriff. Was bedeutet "clean" für Sie?

Für mich bedeutet "clean" ganz klar, auf Nanopartikel und Mikroplastik zu verzichten – der Umwelt zuliebe. Aber auch auf Parfum und Duftstoffe, weil diese ein hohes Allergiepotenzial haben. Weiterhin verzichten wir z.B. auf Silikonöl, Paraffin, Parabene und PEG/PPGs.